TOTAL FIT & BUSCHPER

KOLUMNE

Ich bin körperlich total gut im Schuss. Schliesslich gehe ich täglich zweimal ausgiebig mit meinem Hunziker spazieren. Na ja, ab und zu sehe ich mich gezwungen, einen ganz fiesen Stutz zu bezwingen. Dann merke ich halt jeweils zu meinem Leidwesen, dass frau zum einfach so Spazieren offenbar gerade mal 2 Muskeln braucht. Die restlichen 654 sind faule Hunde und führen ein relaxtes Dasein. Nach 100 Metern geht mir die Puste aus, mein Herz klopft bis zum Hals, die Knie zittern. Hund guckt jeweils fragend. “Geit scho” japse ich dann mit letzter Kraft und schleppe mich weiter, obwohl ich mich am liebsten an Ort und Stelle zum Sterben nieder legen würde.


Dabei war ich doch ein ganzes Mal im Poweryoga-Kurs, da sollte frau doch wahrlich jetzt etwas fitter sein. Total motiviert trat ich an – Yoga, ganz easy – habe ich vor 20 Jahren auch gemacht, kostet mich ein müdes Lächeln. Nun, gechillt wurde definitiv nicht, absolut niente mit verharren ruhen, atmen, liegen. Im Turbotempo die Glieder immer wieder in andere Yoga-Stellungen zu sortieren hats definitiv in sich. Jedenfalls kam ich mit mir nach 10 Minuten überein, dass es ja jetzt, da allfällige Pölsterchen und zu Straffendes eh keiner mehr sehen wird, weil die ganze Chose unter warmen Sachen versteckt ist, keinen Sinn mehr macht, sich so zu quälen. Dann habe ich mir noch fest vorgenommen, spätestens im März ganz sicher zu beginnen und habe mich aufgemacht zum Italiener.


Dort wisperte das kleine dicke Teufelchen auf meiner rechten Schulter dann auch etwas von einem GANZ anderen Ansatz, nämlich von Rumlümmeln auf dem Sofa und sich die neuesten Netflix-Serien einverleiben, von ausgiebigen Tafelfreuden und sowieso, sonnige Terrassen seien schöner als Finnenbahnen. Zudem soll es ja auch welche geben, die stehen darauf, wenn an einer Frau “etwas dran” ist. Die Franzosen, die Charmeure, wissen wo’s lang geht und sagen “poignées d' amour”, als echt bezaubernde Umschreibung für Hüftgold. Andere aber mustern über ihre riesige Wampe hinweg ihr tolles Vollblutweib und fragen listig, ob “Schatz wohl wieder etwas zugelegt habe” – statt sich mal schön an der eigenen Nase zu nehmen.


Einewäg, jetzt, da Body Positivity in aller Munde ist und Influencer*innen auf Insta stolz ihre Dellen und Speckröllchen präsentieren, sollte ich mich in meinem Alter eh endgültig auf die wahren Werte besinnen. Und im Kopf, das garantiere ich, bin ich noch so öppis vo total fit und buschper.


Michèle Freiburghaus